Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und PsychotherapieHeft 1 - 2003BuchrezensionDieter Krowatschek: Alles über ADS. Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer Und noch ein Ratgeber zum Thema ADS... Parallel zum steigenden Methylphenidat-Verbrauch in Deutschland erhöht sich auch die Anzahl der veröffentlichten Publikationen zu diesem Thema. Im ersten Teil des Buches wird die Diagnose der Aufmerksamkeitsstörung samt ihrer Untertypen nach DSM-IV und ICD-10 erklärt. Das Erscheinungsbild von "ADS-Kindern" in verschiedenen Altersstufen wird ausführlich beschrieben. Anfänglich findet der Leser einige interessante Hinweise auf gewisse Eigenarten und Verhaltensweisen der ADS-Kinder, wie z.B. die unterschiedliche Verarbeitung sexueller Impulse. Mit fortschreitender Lektüre fällt jedoch auf, dass alle möglichen Auffälligkeiten angefangen beim Gebrauch von sexualiserten Ausdrücken bis zu rechtsgerichteter Ideologie, unter der ADS-Symptomatik subsumiert werden. Hier entsteht die Gefahr, dass der Begriff in seinem solchermaßen ubiquitären Gebrauch jeglichen Informationsgehalt einbüßt. Von den insgesamt 170 Seiten sind ca. 50 Seiten an die Lehrer gerichtet. Ein großer Teil davon bezieht sich auf den Einsatz von Entspannungsverfahren. Eine Vielzahl dieser Techniken eignet sich zu einer tiefen Tranceinduktion, die im Schulalltag eher nicht angewandt werden sollte. Es fehlt dabei der entscheidende Hinweis, dass beim Einsatz dieser Methoden Situationen entstehen, die auch einen erfahrenen Pädagogen überfordern können. Die meisten vorgestellten Entspannungsübungen gehören eigentlich in die Hand eines erfahrenen Hypnotherapeuten. Es werden weitere bewährte praktische Aspekte der Unterrichtsgestaltung sowie pädagogische Interventionsmethoden dargestellt und diskutiert, wie z.B. die Arbeit mit Verstärkerplänen, Time-out, Sitzordnung, u.a.. Der Abschnitt "Hilfen für zu Hause" umfasst insgesamt vierzehn Seiten und fällt somit nicht nur bezüglich des Umfanges, sondern auch inhaltlich deutlich dünner aus. Die dort gegebenen Ratschläge werden jedoch durch die Bemerkung abgewertet, dass es 90% der betroffenen Eltern nicht gelingt, diese im Alltag anzuwenden. Die aus der Verhaltenstherapie stammenden Instrumente wie die Arbeit mit positiven und negativen Verstärkern, Time-out und Bestrafung werden nur oberflächlich gestreift und kommen im Hinblick auf die Anwendbarkeit im familiären Alltag eindeutig zu kurz. Bodo Christian Pisarsky & Manfred Mickley, Berlin |