Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Heft 1 - 2003

Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Heft 1 - 2003

Erfahrungsbericht zur Anwendung von Computertests in einer kinder- und jugendpsychiatrischen -psychologischen Abteilung an einer Universitätsklinik in Bern

Ulrich Preuss

Im Folgenden sollen die Erfahrungen der Anwendung computerbasierter Testverfahren in der Forschungsabteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie der Universitätsklinik Bern dargestellt werden. Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht der Anwendung von computerbasierten Verfahren über letzten vier Jahre. Dabei stellt der Bericht einen Überblick über die Indikationen, Anwendungsmöglichkeiten und Erfahrungen mit den Testverfahren dar und bezieht auch zu einigen allgemein relevanten Punkten Stellung.

Integration in der Forschungsabteilung

Die Forschungsabteilung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie in Bern ist ein integrierter Bestandteil der Poliklinik und der stationären Bereiche des gesamten universitären kinder- und jugendpsychiatrischen Angebotes in Bern. Somit stellt sie keine isolierte Forschungseinrichtung dar, sondern ist ein Ort, an dem klinische Tätigkeit genauso selbstverständlich ist wie in anderen stationären Bereichen des Hauses. In der Forschungsabteilung werden verschiedene Aufgaben erfüllt. Neben der schon erwähnten klinischen Dienstleistung, werden natürlich Kenntnisse der Methodik in der Durchführung von wissenschaftlichen Studien vermittelt und eine Infrastruktur dafür bereitgehalten. Aus diesem Grunde gibt es die Möglichkeiten, Studien jeder Art, sei es pharmakologische Studien, katamnestische Studien oder auch empirische Studien zum Erfolg von bestimmten Therapieverfahren durchzuführen. Des Weiteren werden Veranstaltungen des Hauses, grössere Tagungen und auch andere Weiterbildungsangebote organisiert. Schliesslich werden Praktikanten, Studenten, Examenskandidaten und Doktoranden betreut. Ein besonderer Aspekt, der durch Ulrich Preuss aus seiner Erfahrung als Testentwickler mit in diese Abteilung hinein gebracht wurde, ist die Entwicklung von psychometrischen diagnostischen Verfahren und die Beteiligung an verschiedenen Testprojekten. So fand eine Beteiligung an der Normierung des Diagnosticums für bildlich angeregte Kognitionen (BILKOG) statt, der den nächsten Monaten erscheinen wird. Weiterhin wird hier in Kooperation mit anderen Zentren der HAWIVA-III (Vorschulintelligenztest nach Wechsler) bearbeitet und der erste computerbasierte Intelligenzkurztest unter dem Titel Berner Intelligenzkurztest (Kurz: BIK) demnächst normiert und analysiert werden. Diese Standardisierungsprojekte bedingten, dass in der Forschungsabteilung zeitig ein umfangreiches Know-how in computerbasierter Diagnostik angesiedelt wurde. Trotzdem ist die Forschungsabteilung eine kleine Einheit in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern. Sie lebt von der Beteiligung aller Mitarbeiter des Hauses, und insbesondere natürlich von vielen Praktikanten, Studenten und Doktoranden, die mit ihrem wissenschaftlichen Interesse das Forschungspotenzial des Forschungsstandortes Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern bilden.

Beginn der computerbasierten Diagnostik

Schon früh wurden Auswertungsprogramme zur Berechnung von Testergebnissen in der Forschungsabteilung angewandt und das Auswertungsprogramm zur K-ABC und für die Child Behavior Checklist nach Achenbach, die auch ein Auswertungsprogramm für den Lehrerfragebogen und für den Jugendlichenfragebogen vorsehen, bildeten immer einen Schwerpunkt in der Anwendung dieser Verfahren. Natürlich sind Computerauswertungsverfahren keine computerbasierten Tests, aber sie ermöglichen einen Einstieg in die computerbasierte Diagnostik und werden heute von Ärzten und Psychologen gerne akzeptiert und sind aus dem Alltag der psychometrischen Diagnostik der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern nicht mehr wegzudenken. Limitierender Faktor bei der Beschaffung weiterer Auswertungsprogramme war bisher nur der hohe Preis und die ungeklärte Kostenfrage bzw. die Kostendeckung dieser Verfahren im Rahmen des Gesamtbudgets.

Computerbasierte Diagnostik

Zurzeit werden neben vielen kleinen Testverfahren, die aus neuropsychologischen Experimenten und speziellen diagnostischen oder Trainingsprogrammen herrühren, drei grosse kommerziell vertriebene Computertestsysteme angeboten. Zum einen das Hogrefe Testsystem (HTS) vertrieben durch den Hogrefe Verlag Apparatezentrum in Göttingen, das vom Zentrum für Testentwicklung in Fribourg Schweiz unter der Leitung von Privatdozent Klaus-Dieter Hänsgen entwickelt und gepflegt wird. Zum zweiten das Wiener Testsystem (WTS), entwickelt durch die Doktor G. Schuhfried GmbH aus Wien in Österreich, das schon seit vielen Jahren computergestützte psychologische Diagnostik anbietet und als dritter im Bunde das eher kleine Testsystem TAP (Zimmermann und Fimm, Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung von Psytest aus Herzogenrath in Deutschland), das auf grosse Resonanz insbesondere in der Aufmerksamkeitsdiagnostik stösst. Alle drei Testsystem-Verlage bzw. Zentren bieten im Internet Informationen an. Das Zentrum für Testentwicklung unter der Internetadresse: www.unifr.ch bzw. unter der direkten Adresse: www.unifr.ch/ztd/HTS. Das Wiener Testsystem ist einzusehen unter www.schuhfried.co.at. Weiter kann die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung (TAP) unter www.psytest-fimm.com/psy-de.html erreicht werden. Informationen zur Bestellung gibt das Apparatezentrum www.apparatezentrum.de für Österreich und Deutschland. Für die Schweiz können Bestellinformationen unter www.testzentrale.ch abgerufen werden.

Bei allen Verlagen sind Demonstrationsversionen zu den Tests zu erhalten. Für die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung kann eine Demoversion von der Internetseite herunter geladen werden und es ist auch per Download eine Dokumentation zur Demonstrationsbeschreibung erhältlich, die die Durchführung des Demonstrationsprogramms erläutert. Auch bei den anderen Verlagen können Online- oder Download-Demonstrationen benutzt werden. Wenn der Download zu aufwändig ist, kann eine CD-Rom von den Verlagen angefordert werden.

Das TAP ist eigentlich eine Sammlung von Verfahren, die es ermöglichen soll, eine entsprechend differenzierte Diagnostik von Aufmerksamkeitsstörungen durchzuführen. Die Entwicklung dieser Tests orientierte sich primär an den Bedürfnissen der neuropsychologischen Diagnostik (Zimmermann und Fimm, Internet). Die Testbatterie umfasst folgende Verfahren:

(1) Alertness
(2) Arbeitsgedächtnis (in 3 Schwierigkeitsabstufungen)
(3) Augenbewegung
(4) Gesichtsfeld- bzw. Neglectprüfung
(5) Geteilte Aufmerksamkeit (mit 2 Vortests)
(6) Go/Nogo-Test (in 2 Varianten)
(7) Inkompatibilität
(8) Intermodaler Vergleich
(9) Reaktionswechsel (in 2 Varianten)
(10) Verdeckte visuelle Aufmerksamkeitsverschiebung
(11) Vigilanztest (in 4 Varianten)
(12) Visuelles Scanning

Zu 11 Tests liegen Normwerte von normalgesunden Kontrollen vor.

Einschränkend ist zu sagen, dass das Testsystem zur Aufmerksamkeitsprüfung zur Zeit unter der neusten Windows-Version XP (ein Upgrade ist angekündigt) anscheinend nicht läuft und auch die DOS-basierten 16-Bit-Programme aus dem Hogrefe Testsystem und vermutlich auch aus dem Wiener Testsystem laufen unter Windows XP nur unter Schwierigkeiten. Dies liegt an der 16-Bit-Konfiguration dieser Tests, die erst mit der Aufrüstung der Programme auf 32 Bit behoben sein wird. Eine Untersuchung für das Wiener Testsystem hinsichtlich dieser Frage haben wir nicht vorgenommen, so dass diese Information unrichtig sein kann. Wir möchten alle potenziellen Kunden von Testsystemen auffordern, sich vor dem Erwerb oder auch dem möglichen Nicht-Erwerb der Testprogramme auf Grund dieser Information um eine genaue Angabe bei den Herstellern und Entwicklern der Testprogramme zu bemühen. Zum Teil (z. B. beim HTS) erhalten Information im Internet. Im Einzelfall können aktualisierte Testversionen oder Updates vorliegen. In vielen Fällen geht die Testentwicklung sehr schnell voran und neuere Testversionen liegen vor, die uns noch nicht zur Verfügung standen. Wir möchten auch betonen, dass vom TAP trotz mehrmaliger Anfragen keine Informationen und auch keine Probeversionen zur Verfügung gestellt wurden, so dass unsere gesamten Informationen auf der Probeversion des Downloads basieren.

Das TAP wurde bei uns nicht angeschafft, da momentan eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit für das TAP nicht gesehen wird, u. a weil statistisch umfangreiche Daten zu Reliabilität und Validität für die Anwendung des TAPs nicht vorliegen. Damit steht der TAP jedoch nicht allein, für die Computerversionen der meisten Test aus den anderen Testsystemen liegen die Gütekennwerte ebenso nicht in zu fordernden Umfang vor, jedoch gibt es in vielen Fällen diese Daten von den klassischen Testfassungen, die zumindest in bei den Fragebögen auch als weitgehend gültig für die Computer basierten Testfassungen angesehen werden können.

Testsystem in der klinischen Praxis

Es bestehen sechs Arbeitsplätze für die Arbeit im Rahmen der psychologischen Diagnostik am Computer in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Psychotherapie in Bern. Zwei befinden sich auf einem Notebook, je eins an der Klinik und an der Poliklinik, um jeweils mobil und von verschiedenen Psychologen eingesetzt werden zu können. Auf diesen Notebooks befindet sich nur das HTS, da die Zusatzgeräte des WTS einen derartigen flexiblen Einsatz erschweren. Ein PC dient ausschließlich dem Wiener Testsystem mit seiner zusätzlichen Ausrüstungsteilen, wobei hier aktuell nur noch die Raven-Tests Versionen eingesetzt werden können, da sich eine Erweiterung wegen der Kosten und nach Abwägung der Ressourcen nicht realisieren ließ. Auf einem weiteren PC ist eine gesponserte HTS Version primär für Forschungszwecke installiert. Dieser Arbeitsplatz erfreut sich höchster Frequenz. Ein wichtiger Befund ist, dass in entsprechenden Forschungsprojekten die Anwendung viel intensiver erfolgt als in der alltäglichen Diagnostik. Ein weiterer PC dient Experimentalfassungen von Computertests, hauptsächlich dem Gedächtnis und Aufmerksamkeitstest (GAT-K) von Perrig et al (Bern) und dem Berner Intelligenz Kurztest (BIK). Diese befinden sich z. T. auch auf PC, deren Einsatz nicht primär für die Diagnostik vorgesehen ist. Ein weiteres Notebook enthält Testsystemsoftware nur zu Demonstrationszwecken, z. B. zur Ausbildung von studentischen Praktikanten, Assistenzärzten und neuen Psychologieassistenten sowie interessierten Fachkollegen zur hausinternen und externen Fortbildung.

Computertest haben sich an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern in der Forschung durchgesetzt und erfahren Anerkennung. In der klinischen Praxis bilden jedoch nur die neuropsychologischen Tests mit Schwerpunkt auf der Aufmerksamkeitsdiagnostik einen Schwerpunkt in der Anwendung. Dies liegt zurzeit an den Kosten der Testdurchführung computerbasierter Tests und den Rahmenbedingungen der Ausbildung in der Anwendung psychologischer Tests. Hier wird grosser Wert darauf gelegt, dass die Berufanfänger die Funktionsweise und Durchführung der Verfahren durch die klassische Anwendung erleben, damit sie später in der Routine eine Vorstellung über den Inhalt und Aufwand der Tests haben. Dies gibt ihnen neben den theoretischen Kenntnissen auch erlebnisnahes Wissen, dass ihnen bei der Indikationsstellung zur Durchführung der Verfahrung ein angemessenes Abwägen nicht nur hinsichtlich diagnostischer Notwendigkeit sondern in Bezug auf die Belastung für die zu testenden Kinder erlaubt.

Zufriedenheit:

Es besteht allgemein große Zufriedenheit mit den Tests und der Administration. Anfangs bestand bei allen Ärzten und Psychologen beiderlei Geschlechts eine gewisse Zurückhaltung und Skepsis, vermutlich nicht unbegründet, da die Verfahren nicht immer einfach, valide und Ziel orientiert durchzuführen und auszuwerten sind, sondern noch immer den Charakter des Experimentalverfahrens ihrer Herkunft zeigen. Dennoch bilden sie immer mehr ein stützendes Element des Diagnoseprozesses und werden zunehmend allgemein anerkannt.

Wegen des Ausbildungscharakters der Einrichtung und des Erfordernisses, das psychometrische Diagnostik erkennend an den basalen Durchführungsweisen gelernt werden sollte, werden Fragebögen und Leistungstest meist nicht am Computer durchgeführt.

Das Alter der Probanden lässt in der Regel eine Durchführung alleine Online- oder Download-Demonstrationen Online- oder Download-Demonstrationen nur mit Proband und Computer nicht zu. Die Kinder zeigen zwar meist weniger Schwellenängste als die Fachpersonen gegenüber dem Computer, bedürfen aber immer noch der emotionalen Stützung und Strukturierung. Im Kindesalter wird eine Entlastung des Versuchsleiters durch den Computer bei der psychometrischen Diagnostik nicht in dem Masse zu verwirklichen sein, wie dies im Erwachsenenalter möglich ist.

Kostenfaktoren spielen eine große Rolle. Die Testsysteme verursachen hohe Anschaffungskosten und die Nachbestellung von Durchführungslizenzen ist ein weiterer wesentlicher Kostenfaktor. Deshalb ist es nicht möglich, allen Diagnostikern einen eigenen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grunde und aus Gewohnheit gegenüber den klassischen Verfahren wird immer noch der nicht computerbasierten Testdurchführung bei den alternativen Einsatzmöglichkeiten der Vorzug gegeben. Grade die Gestehungskosten sind ein Argument für eine öffentliche Einrichtung, von einer breiteren Anschaffung abzusehen. Oft ist das Argument zu hören, dass wiederum nicht die Entwicklung finanziert werden solle und der mögliche Preisverfall abgewartet werden soll. Ob es zu derartigen Veränderungen kommt, ist nicht vorher zu sagen. Auch die mangelnde Windows XP Integrationsfähigkeit und die fehlende Kompatibilität zu Mac-Systemen begrenzt grade in der Schweiz die Bereitschaft für Beschaffungen, da viele Schülergeneration auf Mac gelernt haben und noch häufig dieses System dominiert, dass von den Testsystemen unzureichend berücksichtigt ist.

Eher spekulativ ist die Annahme, dass viele potentielle Anwender dadurch abgeschreckt werden, dass sie zuerst eine teure Plattform kaufen müssen und dann jeden einzelnen Test und die Lizenzen zusätzlich erwerben müssen. Häufig ist an der Universitätsklinik in Bern zu hören, dass einzelne Testfassungen mit offenen Lizenzen, wie sie z. T. noch von amerikanischen Anbietern angeboten werden, auch in Europa eine breitere Annahme von computerbasierter Diagnostik hervorrufen würden.

Trotzdem in der Berner Kinder- und Jugendpsychiatrie eine zunehmende Akzeptanz und vor allen Dingen Nachfrage nach diesen diagnostischen Möglichkeiten zu beobachten. Ein Ausbau der computerbasierten Diagnostik ist geplant, eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation ist dabei unbedingt notwendig, um u. a. die gleichen guten Standards wie in der klassischen psychometrischen Diagnostik zu erreichen und zu pflegen.

Weitere Anwendungsgebiete

Für Forschungszwecke oder mit dem Ziel der Weiterentwicklung werden noch andere computerbasierte Test in Bern eingesetzt. Ziel ist es in diesem Bereich der psychologischen Diagnostik zu einem Kompetenz- und Entwicklungszentrum zu werden und die Bedürfnisse der Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychologie sinnvoll mit der Forschungs- und Entwicklungsebene zu verbinden. Heute bestehen trotz aller Fortschritte der Computertechnik noch viele Restriktionen, die die Umsetzung vieler notwendiger Prüfansätze einschränken. Des Weiteren muss das Wissen um die Technologie und die psychometrischen Eigenschaften computerbasierter Tests vergrössert werden. In vielen Fällen steht eine angemessene Prüfung der Testgüte und eine hinreichende Normierung der Tests noch aus.

Ein Schritt auf diesem Weg ist das Projekt BIK (Berner Intelligenz Kurztest). Hier wird zum ersten Mal kognitiver Leistungstest ausschließlich für die computerbasierte Anwendung entwickelt. Der BIK ist für Menschen im Alter von 11 bis 90 Jahren vorgesehen und erlaubt zukünftig eine statistisch gut gestützte schnelle Einschätzung des Grundintelligenzniveaus. Geplante Anwendungsbereiche sind Arbeits- und Organisationspsychologie, Forschungs- und Sichtungsuntersuchungen bei unsicherem Intelligenzbefund zur Indikationsstellung, ob ein aufwendiger Globaltest durchgeführt werden muss. Mit dem BIK wird hoffentlich die Anzahl der kognitiven Leistungseinschätzungen bei Jugendlichen und Erwachsenen zunehmen. Er ist auch als Staging-Instrument z.B. bei Psychose mit kognitiven Defiziten, Depressionen, degenerativen Erkrankungen mit Einfluss auf die Hirndurchblutung relevant und könnte Leistungsdefizite bei Parkinson, Altersdemenz oder z.B. Diabetes einfach objektivieren.

Der Gedächtnis und Aufmerksamkeitstest für Kinder (GAT-K) ist ein Verfahren von Perrig, Zulauf, Kaufmann und Wartburg am Psychologischen Institut der Universität Bern. Diese Verfahren werden als Instrument im Rahmen der Früherfassung von Aufmerksamkeits- (und Hyperaktivitätsstörungen) entwickelt und basiert auf neuropsychologischen Methoden und Ansätzen. Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie beteiligt sich intensiv an diesem Projekt.

COGPACK ist ein Trainingsprogramm zur Rehabilitation von psychotischen bzw. schizophrenen Patienten. In Bern werden mit diesem Programm neben anderen Einrichtungen erste Erfahrungen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie gesammelt. Neben diesem Einsatzbereich ist auch ggf. an eine Anwendung bei Teilleistungsstörungen oder anderen kognitiven Defiziten wie Minderbegabung zu denken. Ein erstes umfangreicheres Forschungsprojekt befindet sich in Vorbereitung, bis zum Start werden aber noch zwei Jahre benötigt.

Qualitätssicherung

ANWENDERTRAINING

Zur Vertiefung des Umgangs mit dem Testsystem empfehlen sich Anwendertrainings, wenn die Kompetenz nicht in der Einrichtung angesiedelt ist. Grade für die psychologische und ärztliche Praxis kann die die kostengünstige und Qualität erhaltende bzw. sichernde Massnahme sein. Der Umgang mit dem System ist für den wenig geübten Anwender nicht grade sehr einfach und viele Optionen der Programme werden übersehen. Weiterhin kann mangelnde Erfahrung den diagnostischen Prozess in der Sitzung belasten und geringe Kenntnis über das Funktionieren kann höhere Kosten zur Folge haben.

DATENSCHUTZ

Die Testsysteme verfügen über Funktionen, die eine unberechtigte Benutzung des Systems und der damit erhobenen Daten verhindern. Ein Passwort geschützter Zugang mit unterschiedlichen Nutzerebenen und -rechten ist die beste Sicherheit für die Patienten. Da mit den Testsystemen auch Datenbanken angelegt werden können, ist eine angemessene Zugangsregelung unbedingt erforderlich und mit dem HTS sowie WTS auch gewährleistet. Zum TAP gibt es leider keine Erfahrungen.

ANWENDERQUALIFIKATION

In der Regel sollten Psychologen oder umfangreich psychologisch diagnostisch geschulte Ärzte gemäss den Regeln der Kunst die computerbasierten Tests in gleicher Weise sorgfältig wie die klassischen Testverfahren anwenden. Etwaige erweiterte Anwendergruppen sollten in den Handbüchern legitimiert und beschrieben sein. Psychodiagnostisches Fachwissen einschliesslich der notwendigen psychometrischen Kenntnisse bleibt allerdings für eine sachgerechte Anwendung computerbasierter Instrumente unverzichtbar. Die Verantwortung für die Diagnose liegt beim Diagnostiker. Die Richtlinien des Testkuratoriums finden sich z. B auf der Internetseite vom WTS.

TESTKNACKER

Testknacker betreffen die meisten Test in der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht oder weniger. Schutz hiervor sind Liefereinschränkungen, Legitimationen und Auslieferung nur an einem bekannten autorisierten Kundenkreis sowie professioneller und vertraulicher Umgang mit den Verfahren und den dabei gewonnenen Ergebnissen.

Unter den allgemeinen Geschäftsverbindungen wird meist unter Androhung einer Konventionalstrafe Methoden zur Verfälschung von Testergebnissen ("Testknacken") angedroht.

Literatur beim Verfasser

Anhang:

Für das HTS werden folgende Tests für Kinder und Jugendliche angegeben:
ACIL-ADAFI - Adaptiver Figurenfolgen-Lerntest
ACIL-ADANA - Adaptiver Analogienlerntest
ACIL-AZAFO - Adaptiver Zahlenfolgenlerntest
AFS - Angstfragebogen für Schüler
AIST - Allgemeiner Interessen-Struktur-Test
ALS - Aussagen-Liste zum Selbstwertgefühl für Kinder und Jugendliche
ASF-KJ - Attributionsstil-Fragebogen für Kinder und Jugendliche
AVI - Arbeitsverhaltensinventar
AVT - Anstrengungsvermeidungstest
BAT - Bilder-Angst-Test für Bewegungssituationen
CASCAP-D - Psychopathologisches Befund-System für Kinder und Jugendliche
CFT-20 - Grundintelligenztest Skala 2
CFT-WS - Wortschatztest -Ergänzungstest zum Grundintelligenztest CFT 20
CFT-ZF - Zahlenfolgentest als Ergänzungstest zum Grundintelligenztest
CPT - Continuous Performance Task
d2-C - Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
DAT - Dortmunder Aufmerksamkeitstest
DEF-TK - Diagnostischer Elternfragebogen zur Taktil-Kinästhetischen Responsivität im frühen Kindesalter
DIKJ - Depressions-Inventar für Kinder und Jugendliche
DIT - Differentieller Interessen-Test
DTK - Depressionstest für Kinder
E-F - Enzephalopathie-Fragebogen
ESI - Erziehungsstil - Inventar
FAF - Fragebogen zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren
FKL - Fragebogen zur Kausalattribuierung in Leistungssituationen
GBB-KJ - Gießener Beschwerdebogen für Kinder- und Jugendliche
GIS - Generelle Interessen-Skala
HAMEL - Hamburger Erziehungsverhaltensliste für Mütter
HANES-KJ - Hamburger Neurotizismus- und Extraversionsskala für Kinder und Jugendliche
HAPEF-K - Hamburger Persönlichkeitsfragebogen für Kinder
HAVEL - Hamburger Verhaltensbeurteilungsliste
HKS - Fragebogen zum Hyperkinetischen Syndrom und Therapieleitfaden
IST-2000 - Intelligenzstrukturtest 2000
IST-2000R - Intelligenzstrukturtest 2000 R
IST-20CH - Intelligenzstrukturtest 2000
KAT-II - Kinder-Angst-Test-II
KKG - Fragebogen zur Erhebung von Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit
KRT - Konzentrations-Rechentest
KVT-C - Konzentrations-Verlaufs-Test (Computerfassung)
LFSK_8-13 - Linzer Fragebogen zum Schul- und Klassenklima für die 8.-13. Klasse
LPS - Leistungsprüfsystem
MPT-J - Mehrdimensionaler Persönlichkeitstest für Jugendliche
MTVT - Mechanisch - Technischer Verständnistest
NST - Neigungs-Struktur-Tests
PF11-14 - Problemfragebogen für 11- bis 14jährige
PFK9-14 - Persönlichkeitsfragebogen für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren
SFIG - Schlauchfiguren
SSK - Fragebogen zur Erhebung von Stresserleben und Stressbewältigung im Kindesalter
SVF-KJ - Stressverarbeitungsfragebogen von Janke und Erdmann angepasst für Kinder und Jugendliche
SZT - Symbol-Zahlen-Lerntest
TvH - Osnabrücker Turm von Hanoi
VBV3-6 - Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder
VEG - Verbalgedächtnis
VKI - Verbaler Kurz-Intelligenztest
WIT - Wilde Intelligenz Test
WMT - Wiener Matrizen-Test
WST - Wortschatztest

Im WTS HTS werden folgende Tests für Kinder und Jugendliche angegeben
Intelligenz:
ISA (ab 14 J)Dauer: ca. 90 min (auch in anderen Sprachen erhältlich)
WIT (ab 14 J)Dauer: ca. 90 min
WST (ab 16 J)Dauer: zw. 15 und 20 min
Sprachfrei (auch in anderen Sprachen erhältlich)
AMT (ab 15 J)Dauer: zw. 15 und 30 mm; adaptiv
APM (ab 12 J)Dauer: zw. 15 und 30 min
CPM (4;9-12;00)Dauer: zw. 10 und 30 min
SPM (ab 6 J)Dauer: zw. 15 und 30 min
WMT (ab 14 J)Dauer: ca. 25 min
Allgemeine Leistungstests: (auch in anderen Sprachen erhältlich)
COG (ab 8 J)Dauer: ca. 15 min
DAUF (ab 15 J)Dauer: ca. 25 min
DT/S1 (ab 15 J)Dauer: ca. 5 min
RT/S1/S2/S3 (6-10)Dauer: ca. 10 min
SIGNAL (ab 8 J.)Dauer: ca. 14-20 min
VIGIL (ab 7 J)Dauer: ca. 30 min
Spezielle Leistungstests: (auch in anderen Sprachen erhältlich)
2HAND (ab 15 J)Dauer: ca. 10 min
A3DW (ab 13 J)Dauer: ca. 10 mm; adaptiv
ACIL: (10-16) 
ADANADauer: zw. 5 und 20 min
ADAFIDauer: zw. 15 und 40 min
AZAFODauer: zw. 15 und 40 min
CORSI (ab 6)Dauer: ca. 10 min
FVW (ab 6 J)Dauer: ca. 15 min
MLS (ab 7 J)Dauer: ca. 15 —20 min
MTA (ab 15 J)Dauer: zw. 15 und 30 min
MTVT (ab 10 J)Dauer: ca. 30-40 min
PERSEV (ab 6 J)Dauer: ca. 5 min
Persönlichkeitsstrukturtests:
AFS (9-17 J)Dauer: zw. 15 und 20 min
EPPD (ab 14 J)Dauer: ca. 15 min
Einstellungs- und Interessentests:
AIST (ab 14J)Dauer: ca. 20 min
FIT (ab 14)Dauer: ca. 20 min
FBIL (13-16 J)Dauer: ca. 30 min
Klinische Verfahren:
BFS (ab 14 J)Dauer: ca. 7 min
BFW (ab 12)Dauer: zw. 5 und 10 min
FAF (ab 15)Dauer: zw. 10 und 20 min
HANES (8-18)Dauer: zw. 15 und 40 min
MMPIK (ab 16)Dauer: zw. 30 und 45 min
SOZU (ab 16)Dauer: ca. 10 min
STAI (ab 15)Dauer: zw. 3 und 6 min
UFB (ab 14 J)Dauer: zw. 15 und 20 min

Anschrift des Verfassers:

Ulrich Preuss
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie Universität Bern, Schweiz
Effingerstrasse 12, 3011 Bern
ulrich.preuss@kjp.unibe.ch
tel. +41 (0)31 633 41 41, fax. +41 (0)31 633 41 91