Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Heft 1 - 2003

Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Heft 1 - 2003

Epilog

Ingo Spitczok von Brisinski

Der Themenschwerpunkt dieses Heftes ist ‚AD(H)S'. Vielleicht wird mancher Leser bei diesem Akronym ein Sättigungsgefühl ob der zahlreichen Publikationen, Vorträge und Diskussionen zu diesem Thema verspüren. Dennoch bleibt es auch 2003 ein wichtiges, oft dominierendes Thema in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Trotz deutlich verbessertem Informations- und Wissenstand unter Fachleuten wie in der Öffentlichkeit, Konsensuspapier und sich einander annähernder Standpunkte verbleibt eine Fülle von Facetten dieses mittlerweile nahezu ubiquitär wahrzunehmenden Phänomens zu beleuchten und zu diskutieren.

Wir haben darauf verzichtet, nochmals die beiden deutschen Leitlinien der beiden Fachgebiete Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie Kinder- und Jugendmedizin sowie das Konsensuspapier abzudrucken, da sie einerseits hinreichend bekannt sein sollten und andererseits allesamt kostenlos aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt werden können (Links unter links_ads.php5).

Stattdessen finden sich in diesem Heft aktuelle, praxisrelevante, deutsche und schweizerische, kinderärztliche, kinderpsychiatrische und psychologische Beiträge, die entweder Schlaglichter aus wenig gewohnter Perspektive werfen oder ein Thema derart detailliert ausführen, wie es bisher nicht zu finden war:

Bernhard Klasen führt uns anschaulich vor Augen, wie wir Gefahr laufen, im alltäglichen Leben immer wieder unseren bevorzugten Attributionen bzw. Zuschreibungen bei ADHS auf den Leim gehen. Seine Betrachtungen sind ein wertvoller Beitrag zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Familie, Schule und Therapeut durch die Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses.

Manfred Mickley und Bodo Christian Pisarsky beleuchten erkenntnistheoretische und historische Aspekte der Konstruktion von Diagnosen, betrachten die Beziehung von ADHS und gesellschaftlichem Kontext, und erläutern, was die Systemische Therapie zur Behandlung des ADHS beitragen kann.

Meinrad H. Ryffel berichtet sehr detailliert von seinen langjährigen Erfahrungen in der Behandlung mit Stimulanzien bei ADHS: Eine Fundgrube für die Praxis!

Nicht immer reicht ambulante Behandlung aus. Daher habe ich einige Aspekte der Indikation und Verweildauer bzgl. tagesklinischer und vollstationärer Diagnostik und Behandlung bei ADS und ADHS/HKS zusammengestellt.

Oliver Bilke schildert Langzeitverlauf und Langzeitbetreuung des hyperkinetischen Syndroms unter besonderer Berücksichtigung der Behandlung komorbider Suchtstörungen.

Dass Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie auch ganz andere Themen, Theorien und Methoden umfasst, zeigt uns sehr anschaulich der bereits im letzten Heft angekündigte Beitrag von Eva Bergheim-Geyer, B. Kader und W. Rick zur multimodalen Therapie am Beispiel eines zwangsgestörten Jugendlichen.

Ulrich Preuss vermittelt in seinem Bericht zur Anwendung von Computertests in einer kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychologischen Abteilung Erfahrungen aus dem Alltag computerunterstützter Diagnostik.

Abgerundet wird das Heft durch drei Buchrezensionen zum Thema Aufmerksamkeit/ADHS, eine Rezension zu einem Buch über Scham in der psychotherapeutischen Praxis sowie eine Rezension über Pädagogisch-pflegerische Praxis in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Ihr Ingo Spitczok von Brisinski

im Namen der Redaktion "Wissenschaft, Fort- und Weiterbildung"

(Christian K. D. Moik, Ute Paporisz, Ingo Spitczok von Brisinski)