EEG und psychischer Befund

Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Heft 2 – 2001

EEG und psychischer Befund

Ingo Spitczok von Brisinski

Sowohl EEG als auch psychischer Befund sind jeweils für sich allein genommen komplexe Themen mit zahlreichen verschiedenen Facetten. Bereits hieraus wird klar, dass es in der Betrachtung der Beziehung zwischen beiden nicht mit simplen Korrelationstabellen, die bestimmte psychische Vorgänge bestimmten EEG-Parametern zuordnen, getan ist. Vielmehr sind verschiedene erkenntnistheoretische und methodologische Aspekte einzubeziehen, will man sich der Frage angemessen nähern, welche Beziehungen zwischen EEG und psychischem Befund im praktischen Alltag gewinnbringend berücksichtigt werden können.

1. Erkenntnistheoretische Aspekte

"Die Theorie entscheidet darüber, was wir beobachten können" (Albert Einstein). "Alle Beobachtungen und in noch höherem Maße alle Experimente sind theorieimprägniert: sie sind Interpretationen im Lichte von Theorien ... Es gibt kein Sinnesorgan, dem nicht vorgreifende Theorien genetisch einverleibt sind" (Popper 1982, S.173).

Das Verständnis davon, was eine psychische Störung ist, wie sie entstanden sein könnte, wie man sie diagnostiziert und therapiert, ist ebenso von subjektiven/paradigmatischen Einflüssen geprägt, wie die Auswahl von Fragestellungen und Methoden zur Erforschung der Entstehung, der Merkmale, des Verlaufs und der Therapierbarkeit einer Störung. Entsprechendes gilt für EEG und psychischen Befund.

Nach Bauer (1997) lässt sich das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis in der Medizin auf vier axiomatisch fundierte Denkstile zurückführen:

Die vier Axiome des systematischen Erkenntnisgewinns in der Medizin
(nach Bauer 1997)

  1. Axiom der Existenz von übernatürlichen Personen oder Kräften
  2. Axiom der semiotischen Korrespondenz von Phänomenen
  3. Axiom des kausalgesetzlichen, mechanisch-deterministischen Ablaufs von Prozessen in der Natur
  4. Axiom der Möglichkeit des intersubjektiven Verstehens von menschlichen Lebensäußerungen durch hermeneutische Interpretation verbaler und nonverbaler Zeichen

1.1. Axiom der Existenz von übernatürlichen Personen oder Kräften

Dieser Denkstil soll hier nicht weiter berücksichtigt werden. Es sei nur angemerkt, dass er in der heutigen Medizin nicht ausschließlich historische Bedeutung hat, da selbst der "mündige Patient" dieser Tage ebenso wie mancher Arzt in der Lage ist, zeitweise auf der Grundlage des Axioms der Existenz von übernatürlichen Personen oder Kräften zu denken: Nicht wenige Krebspatienten (und deren Ärzte) haben die Überzeugung, eine schwere Erkrankung sei die Bestrafung für eine falsche Lebensweise, etwa beim Bronchialkarzinom (Rauchen) oder bei AIDS (Sexualität).

1.2. Das Axiom der semiotischen Korrespondenz von Phänomenen

Nach diesem Axiom bestehen Ähnlichkeiten der Phänomene auf allen Ebenen und Stufen des Kosmos, welche den Menschen und insbesondere den Wissenschaftler zu Analogieschlüssen berechtigen (z. B. in der Homöopathie). Es wird die Existenz bestimmter Regelmäßigkeiten und kosmologischer Gesetze postuliert, die vom Kundigen an sichtbaren Eigenschaften der Materie oder an Funktionsmerkmalen abgelesen werden können. Dabei stellt der medizinische Forscher zum Beispiel eine assoziative oder symbolische Beziehung zwischen einer vermuteten Krankheitsursache, einer Behandlungsmaßnahme, einem Arzneimittel, einer Krankheit, einem Organ und/oder einer psychischen (Dys-) Funktion her. Auch dieser Denkstil soll im hier abgehandelten Rahmen keine weitere Rolle spielen.

1.3. Das Axiom des kausalgesetzlichen, mechanisch-deterministischen Ablaufs von Prozessen in der Natur

Natürliche Prozesse verlaufen gemäß diesem Axiom nach dem Prinzip von Ursache (Ätiologie) und Wirkung (Symptomatologie) in einer regelhaften Weise, die mit Hilfe von sogenannten Naturgesetzen mathematisch formuliert werden kann. Die Ursache-Wirkungs-Beziehungen können im einfachsten Fall linear-monokausal sein, sie können aber auch einen sehr komplexen Zusammenhang haben, also Rückkopplungsschleifen und Ereignisse im Rahmen eines deterministischen Chaos beinhalten. Alle genannten Prozesse müssen empirisch zugänglich sein und im wissenschaftlichen Experiment überprüft (bestätigt oder falsifiziert) werden können. Zusätzliche Annahmen, insbesondere vitalistische und teleologische Spekulationen, sind nach dem Prinzip des axiomatischen Minimalismus nicht zulässig. Durch kontinuierliche Anwendung dieses Axioms kommt es im Lauf der Zeit zu einer dynamischen Vermehrung und Optimierung des immer nur vorläufig sicheren Wissens.

Das Axiom des kausalgesetzlichen, mechanisch-deterministischen Ablaufs von Prozessen in der Natur ließ auch in der Medizin die Entwicklung eines methodischen Vorgehens zu, das Rudolf Virchow im Jahre 1849 charakterisierte: "Die naturwissenschaftliche Methode ... befähigt uns zunächst zur naturwissenschaftlichen Fragestellung. Jedermann, der eine solche Frage stellen kann, ist Naturforscher. Die naturwissenschaftliche Frage ist die logische Hypothese, welche von einem bekannten Gesetz durch Analogie und Induction weiter schreitet; die Antwort darauf gibt das Experiment, welches in der Frage selbst vorgeschrieben liegt. Jene Hypothese ist also das Facit einer Rechnung mit Thatsachen, und sie setzt daher eine umfassende Kenntnis der Thatsachen voraus; das Experiment ist das logisch nothwendige und vollkommen bewusste Handeln zu einem bestimmten Zweck. ... Die Naturforschung setzt also Kenntniss der Thatsachen, logisches Denken und Material voraus; diese drei, in methodischer Verknüpfung, erzeugen die Naturwissenschaft". Damit beschrieb Virchow jene hypothetisch-deduktive Methode, die im Prinzip bis heute die Grundlage der naturwissenschaftlichen Arbeitsweise der in Europa und den USA entwickelten ‚westlichen’ Medizin geblieben ist (Ayala 1994). Das äußerst komplexe wissenschaftsphilosophische Problem der Bestätigung von Hypothesen wird u. a. von Lambert und Brittan (1991) diskutiert. Das mit Hilfe des dritten Axioms gewonnene Wissen bleibt stets vorläufig (Popper 1982), es muss vom Forscher ständig in Frage gestellt und im Falle der Nicht-Bewährung oder Falsifizierung korrigiert bzw. aufgegeben werden. Dies ist leider für das EEG im kinder- und jugendpsychiatrischen Kontext bisher viel zu wenig geschehen. Vielmehr sind Ergebnisse der Neurologie und Neuropädiatrie weitgehend ohne weitere Überprüfung für die Kinder- und Jugendpsychiatrie übernommen worden (vgl. Spitczok von Brisinski 1999).

1.4. Das Axiom der Möglichkeit des intersubjektiven Verstehens von menschlichen Lebensäußerungen durch hermeneutische Interpretation verbaler und nonverbaler Zeichen

Das vierte Axiom stammt nicht aus der Sphäre der Biowissenschaften, es hat seinen Ursprung in der antiken Philosophie und Rhetorik. In der Medizin der Neuzeit kommt es in der Psychoanalyse, der Psychosomatischen Medizin, der Psychotherapie und der Psychiatrie zur Anwendung.

Für den Theologen und Philosophen Friedrich Schleiermacher (1768-1834) war die Hermeneutik jene Technik des Verstehens, welche auf die Bedingungen reflektiert, unter denen das Verständnis von Lebensäußerungen möglich ist. Zum einen stellt nach Schleiermacher jeder geschriebene (oder gesprochene) Text eine individuelle Leistung dar, zum anderen aber gehört er einem allgemeinen Sprachsystem an; daraus ergeben sich zwei Weisen der Auslegung: Die objektive (grammatische) Methode versteht einen Text aus der Gesamtheit der Sprache, die subjektive hingegen aus der Individualität des Autors, welche dieser kreativ in den Prozess der Textproduktion einbringt. Auf dem Vergleich von Aussagen in ihrem sprachlichen und historischen Zusammenhang beruht so das komparative Verfahren der Sinnerschließung, während andererseits das divinatorische Verfahren auf dem intuitiven "Einleben" in den Text basiert. Bezüglich der Beurteilung eines EEG-Befundes scheint es so, dass fast ausschließlich nach der objektiven Methode versucht wird, das EEG zu verstehen. Gerade aber im kinder- und jugendpsychiatrischen Kontext ist die subjektive Methode möglicherweise als Ergänzung zum kausalgesetzlichen, mechanisch-deterministischen Ansatz ein fruchtbarer Zugang zu einem klinisch relevanten Verständnis des EEGs.

In Fortführung der Gedanken Schleiermachers stellte der Philosoph Wilhelm Dilthey (1833-1911) ‚Naturwissenschaften’ (Axiom 3) und ‚Geisteswissenschaften’ (Axiom 4) einander gegenüber: Im Unterschied zu den Naturwissenschaften, in denen unabhängig vom menschlichen Handeln gegebene Ereignisse durch Hypothesen systematisiert und erklärt werden, muss der Geisteswissenschaftler seinen Gegenstandsbereich, die symbolischen Zusammenhänge der sozialen und historischen Wirklichkeit des Menschen, in denen er selbst steht, durch ‚Nachvollziehen’ dieser Lebensäußerungen verstehen.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert stellte Sigmund Freud (1856-1939) mit seiner Psychoanalyse eine Verbindung der naturwissenschaftlichen Methode mit dem biographisch-interpretativen Verfahren her, das er auf diesem Wege auch für das Verständnis und die Behandlung bestimmter seelischer Erkrankungen – der Neurosen – fruchtbar zu machen suchte.

Auch in der Verhaltenstherapie ist der Denkstil des 4. Axioms unverzichtbar geworden: "Die mit der kognitiven Psychologie und Therapie eingeleitete Selbstbefragung hat das lerntheoretische Selbstverständnis erschüttert, weil nicht erklärt werden konnte, warum durch Reflexion des Handelns sich neue, verhaltensändernde Orientierungen im Patienten entwickeln, obwohl die situativen Bedingungen unverändert bleiben; und es konnte auch nicht klären, wie die Konstrukteure der Theorie selbst zu ihren Annahmen kommen. Mit der kognitiven Psychologie ist die Reflexion in die Verhaltenstherapie eingebrochen. Sie hat sich von einer rein äußerlichen Technologie zu einer an den Vorstellungen des Patienten orientierten Behandlungsführung wandeln müssen. Der Therapeut ist nicht mehr nur Konstrukteur; vielmehr wird er jetzt zum Begleiter bei der Neustrukturierung der lebensgeschichtlichen Situation des Patienten. Der alleingültige Erklärungsanspruch des bisherigen Modells muss aufgegeben werden, weil erkannt wurde, dass Modelle und Konstruktionen den Gegenstand erst schaffen: statt des bisherigen Reiz-Reaktions-Modells nun die Wandlung zum Reflexionsmodell. Die Beziehung zwischen Wissenschaft und therapeutischen Regeln ist danach nur noch heuristisch zu sehen. Die Verhaltenstherapie kommt heute in die gleiche wissenschaftliche Position, in der die Psychoanalyse als heuristische Wissenschaft immer schon war, eine Antwort auf die Sinnpro-bleme des Menschen finden zu müssen" (Pohlen 1999, S. 77).

Die Annahme der Möglichkeit des intersubjektiven Verstehens von menschlichen Lebensäußerungen durch hermeneutische Interpretation verbaler und nonverbaler Zeichen beruht auf einem Analogieschluss, nämlich der plausiblen Vermutung, andere Menschen reagierten in ihrem Denken, Reden und Handeln prinzipiell ähnlich wie der wissenschaftliche Beobachter.

Nach Rudolf (1995) ist der Körper mit seiner Organmorphologie und seinen Organfunktionen auf der biologischen Ebene Objekt naturwissenschaftlicher Untersuchung und Behandlung, auf der personalen Ebene dagegen ist der Körper ein wesentlicher Teil des Subjekts mit all seinen erfahrungsbasierten Kognitionen und Emotionen.

Wenn nun die Beziehung zwischen EEG und psychischem Befund lediglich auf der Basis des 3. Axioms betrachtet wird, wird man der kontext- und auf den klinischen Einzelfall bezogenen, subjektiven Bedeutung der beobachten psychischen Symptome im therapeutischen Prozess nicht gerecht. Es ist daher kaum verwunderlich, wenn bisherige gruppenstatistische, lediglich auf dem 3. Axiom beruhende Forschungsparadigma hinsichtlich der Beziehung von EEG und psychischem Befund nur in geringem Maße Bedeutung für die praktische Patientenversorgung gewonnen haben. So, wie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie heute Denkstile des 3. (somatische ‚Objekt’-Sphäre) und 4. (kognitive ‚Subjekt’-Sphäre) Axioms allgemein zur Anwendung kommen und (zumindest im klinischen Alltag) ineinander greifen, ist dies also auch für die Elektroenzephalographie in diesem Fachgebiet anzustreben (Spitczok von Brisinski 1999b).

1.5. EEG und psychischer Befund aus systemischer Sicht

An der Aktivität eines einzelnen Neurons ist nichts Geistiges oder Kognitives. Es sind gigantische Netzwerke von Milliarden von Neuronen, die bei kognitiven Prozessen und damit auch bei geistigen Zuständen aktiv sind. Kognition, Geist und Bewusstsein sind gebunden an globale Aktivitätszustände (oder Makrozustände) des Gehirns und sind somit nicht auf die Aktivität von einzelnen Neuronen oder gar Teilen von Neuronen wie Synapsen oder Ionenkanäle reduzierbar (Roth et al. 1998).

Auch bezüglich der Entstehung des EEGs spricht vieles dafür, dass es sich bei den an der Oberfläche der Kopfhaut ableitbaren Mustern um den Ausdruck neuronaler Massenaktivität handelt, die sich einer Erklärung allein an Hand mikrodeterministischer Konzepte entzieht (Ulrich 1994).

Sowohl psychischer Befund als auch EEG sowie deren Beziehung bedürfen also makrodeterministischer, d. h. systemischer bzw. systemphysiologischer Sicht-weisen, die u. a. implizieren, dass das Prinzip der ‚starken Kausalität’ (ähnliche Ursachen haben ähnliche Wirkungen) nicht allgemein vorausgesetzt werden kann (vgl. Schiepek und Strunk 1994). Daraus ergibt sich jedoch folgendes:

Zusammenhang von psychischem Befund und EEG

  1. Einer Gleichheit, Ähnlichkeit, Verschiedenheit des psychischen Befundes muss nicht unbedingt eine Gleichheit, Ähnlichkeit, Verschiedenheit der Beschaffenheit des EEGs entsprechen, und umgekehrt.

  1. Besitzen die Änderungen, welche ein psychischer Befund durchläuft, dieselbe Richtung, oder sind die Unterschiede, die zwischen einer Reihe gegebener psychischer Befunde bestehen, von gleicher Richtung, so besitzen die Änderungen, welche der psychische Befund durchläuft, oder die Unterschiede der gegebenen EEG-Muster nicht unbedingt die gleiche Richtung. Ist also ein psychischer Befund in n-facher Richtung variabel, muss das parallel zu beob-achtende EEG nicht unbedingt in n-facher Richtung variabel sein, und umgekehrt.

Ulrich (1994) schreibt auf Seite 39: "Wenn wir allerdings heute davon ausgehen, daß das Skalp-EEG aus einer partiellen Synchronisation ausgedehnter kortikaler Substrate resultiert, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich mit dieser Methode spezifische psychologische Prozesse, geschweige denn spezifische Inhalte unterscheiden lassen. Viel plausibler erscheint, dass uns das EEG eine begrenzte Anzahl basaler Funktionszustände unterscheiden läßt, die eine prädilektive, jedoch nicht eine invariante Kopplung an bestimmte psychologische Konstrukte wie die obengenannten aufweisen."

2. Psychische Störungen und Vigilanz

Ey schlug 1952 vor, Geisteskrankheiten als pathologische Phänomene einer bestimmten Abbaustufe oder einer bestimmten Stufe des unvollständigen Aufbaus einzuordnen. Der Entordnungsprozess sei stets derselbe, unabhängig von der Ätiologie, die toxischer oder infektiöser, exogener oder endogener Natur sein könne. Danach seien die Geisteskrankheiten zu unterscheiden nach Tiefe, Dauer und Rhythmus des Entordnungsprozesses. Aus dem Jackson’schen Kernsatz: "illness does not create" folgerte Ey, dass somatische Korrelate nicht krankheitsspezifisch sein können, sondern dass es sich um Abwandlungen normalphysiologischer Funktionen handeln müsse. Im Zentrum des Interesses stand dabei für Ey der Übergang vom Wachen zum Schlafen. Hier ließen sich sämtliche in der Psychiatrie zu beobachtende Abbaustufen mehr oder weniger flüchtig beobachten. Bente verfolgte ein ähnliches Konzept und analysierte die verlaufsdynamische Ordnung des psychophysiologischen Funktionsabbaus bei Gesunden während eines ca. 100stündigen Schlafentzugs. Er sah ebenso wie Heinemann (1966) im langdauernden Schlafentzug eine "geeignete Methode zur experimentell kontrollierten Herbeiführung psychiatrischer Störungen". Heinemanns Versuchspersonen zeigten eine Symptomfolge, die von apathischer Verstimmung über Initiativlosigkeit, affektiver Dämpfung, reizbar-unwilliger und euphorisch-ideenflüchtiger Verstimmung, Unheimlichkeitsstimmung, paranoiden Einfällen, Depersonalisationszuständen bis hin zu Leibgefühlsstörungen reichte. Loomis et al. stellten 1937 eine Einteilung A-E von Vigilanzstadien im EEG vor, die Bente (1964) in A1 bis A3 und Roth (1961) in B1 bis B3 weiter differenzierten:

Stadium A1 entspricht dem entspannten Wachzustand mit geschlossenen Augen: okzipital betonter Alpha-Grundrhythmus. A2 ist mit Spannungszunahme, Kontinuitätszunahme, Frequenzabnahme (anterior deutlicher als posterior, entsprechend anterioposteriorer Frequenzdissoziation), Zunahme der Synchronizität und Anteriorisierung der Alpha-Aktivität auf die mittleren und vorderen Regionen verbunden. Als Abgrenzungskriterium zum Stadium A1 gilt ein Anteriorisierungsgrad, bei dem die anteriore Alpha-Amplitude etwa in der Größenordnung der posterioren liegt. Im Stadium A3 findet sich eine Verlagerung des Spannungsmaximums auf die vorderen Regionen.

Den Übergang zum Stadium B1 markiert ein diskontinuierlicher Zerfall der sich zunehmend verkürzenden spindelförmig modulierten anterioren Alpha-Aktivität. Im Stadium B1 zeigt sich eine desynchronisierte spannungsgeringe Aktivität. Fakultativ sind Einlagerungen rascher 20-30/s-Beta-Wellen. Im Stadium B2 kommen relativ niedergespannte unregelmäßige Theta-Schwankungen hinzu, im Stadium B3 höhergespannte 3-4/s-Delta-Wellen, typischerweise mit Betonung über den vorderen und mittleren Regionen.

Mit dem Erscheinen von 12-14/s-Spindeln wird schließlich das Stadium C (Stadium II nach Dement und Kleitman 1957) erreicht, das meist den Schlafeintritt anzeigt. Mit Zurücktreten der Spindeln und dem Auftreten hochamplitudiger unregelmäßiger 1-3/s-Delta-Wellen vollzieht sich der Übergang zum Tiefschlaf (Stadium D und E bzw. III und IV).

Bei jüngeren gesunden Personen häufen sich die frühen B-Stadien etwa ab der 5. Ableiteminute. Mit den späten B-Stadien ist nach ca. 10 Minuten zu rechnen. Das Erreichen von Stadium C (bzw. Stadium II) stellt unter den genannten Bedingungen die Ausnahme dar (Ulrich 1994).

Im folgenden soll nun Vigilanz nicht mit Müdigkeit gleichgesetzt, sondern als als Ordnungsbegriff für das globale Funktionsniveau lebender Systeme im Sinne Heads (1923, siehe auch Spitczok von Brisinski 1999 und Ulrich 1994) verstanden werden. In diesem Sinne verwandt, lassen sich Vigilanz-bezogene EEG-Befunde sowohl hinsichtlich Aufmerksamkeit und Müdigkeit als auch psychischer Störungen betrachten. Andererseits müssen bei allen Einzelbefunden wie Studienergebnissen alters- und müdigkeitsbedingte physiologische Muster berücksichtigt werden, bevor man ein bestimmtes Muster einem psychischen Befund zuordnet.

3. Alpha-Aktivität

3.1. Diffuse Auffälligkeiten im Alpha-Band: Auffällig gering ausgeprägte Alpha-Aktivität

3.1.1. Normvarianten?

Bei Beta-EEG, Alpha-Varianten, 4/s-Grundrhythmusvariante und Niederspannungs-EEG handelt es sich aus neurologischer Sicht um genetisch bedingte Normtypen bzw. Normvarianten, die mit deutlich verminderter bzw. sogar fehlender Alpha-Aktivität einhergehen können. Ein Niederspannungs-EEG wird dann als Normvariante beurteilt, wenn sich klinisch-neurologisch keine dazu passenden Auffälligkeiten finden lassen. Ob es sich jeweils auch aus psychiatrischer Sicht um Normtypen handelt, ist noch unklar. Selten sind EEGs ohne jegliche rhythmische Alpha-Aktivität, häufiger sind EEGs, die einen passageren Alpha-Rhythmus als Lidschlussreaktion oder einen Alpha-Rhythmus unter Hyperventilation zeigen. Zumindest die beiden letzteren lassen sich also nach den o. g. Vigilanzschemata auch als subvigil einstufen.

3.1.2. EEG und Emotionen

Bereits in den Anfängen der Ableitung des EEGs beim Menschen sind von seinem Erfinder, dem Psychiater Hans Berger, EEG-Analysen affektiver Verläufe durchgeführt worden (1929, 1931, 1933, 1935, 1938). Er bemühte sich darum, subjektiv erlebte psychische Prozesse objektiv zu erfassen. Bereits in seiner ersten Publikation "Über das Elektrenkephalogramm des Menschen" von 1929, in der es im Wesentlichen noch um die Entdeckung des menschlichen EEGs und der notwendigen technischen Voraussetzungen ging, schrieb er auf Seite 569: "Ich neige der Ansicht zu, daß bei anstrengender geistiger Arbeit die größeren, 90 s im Durchschnitt dauernden Wellen, also die Wellen erster Ordnung (Alpha-Wellen, d. Verf.), mehr zurücktreten und die kleineren, 35 s -Wellen zweiter Ordnung (Beta-Wellen, d. Verf.) häufiger werden. Bei völliger geistiger Ruhe, im Dunkeln, bei geschlossenen Augen erhält man die besten Elektrenkephalogramme, die beide Wellenarten in ziemlich regelmäßiger Anordnung zeigen" und auf Seite 570: "Ich habe namentlich bei den Versuchen mit meinem Sohn Klaus den Eindruck gewonnen, daß bei angestrengter intellektueller Arbeit, aber auch schon bei starker Anspannung der Aufmerksamkeit die kleineren und kürzeren Wellen überwiegen".

Berger untersuchte auch Reaktionen auf angstauslösende Situationen und entwickelte aus seinen Beobachtungen die Trias ‚Blockierung, Amplitudenverminderung und Frequenzerhöhung‘ als EEG-Korrelat bei Angstreaktionen. Während für Berger und viele nach ihm die Empirie der korrelativen Zusammenhänge zwischen EEG-Aktivität und Emotionalität erforschenswert war, dienten anderen die ersten Ergebnisse dieser Forschungen als Ausgangspunkt für theoretische Entwürfe. So entstand das Arousal-Theorem von Lindsley (1951) und die Theta-Theorie von Walter (1963). Was Lindsley und Walter für die Gültigkeit ihrer Theorien implizit forderten, hatte Berger bereits in seiner vierten Mitteilung (1931) konstatiert. Er sah gesetzmäßige Zusammenhänge zwischen psychischen Vorgängen – speziell auch emotionalen – und der Spontanaktivität im EEG.

Machleidt et al. (1987b) teilten bei ihren Untersuchungen in die 5 Grundgefühle 'Intention', 'Angst', 'Aggression', 'Trauer' und 'Freude' auf, verwendeten Imaginationsverfahren und fanden folgende EEG-Befunde:

Zusammenhang von Grundgefühlen und EEG (nach Machleidt 1982)

Angst: Alpha nimmt okzipital ab, Alpha-Bandweite zu, Beta und Theta nimmt zu. Intensität der Angst: bei geringerer Ausprägung ist noch Alpha sichtbar, bei zunehmender Intensität verschwindet sie vollends und es resultiert ein Muster mit zum Teil hochfrequenter Beta-Aktivität (28-32 Hz) und unterlagernden Theta-Wellen (vgl. Künkel 1980).

Intention, Erwartungsspannung positiv: Alpha vermehrt, Alphafrequenz erhöht, übrige Parameter unverändert.

Freude, Zufriedenheit: Alpha vermehrt, Beta und Theta vermindert.

Aggression, Kraft, Wut: Zunahme von Alpha, Beta und Theta, vermehrte Komplexität.

Trauer: Abnahme von Alpha, Beta und Theta. Alpha-Bandweite und Komplexität stiegen (allerdings diente ein Alkoholkranker als Beispiel, d. Verf.): flaches EEG.

Depression (vgl. Bente 1976, Monakhov und Perris 1980, Pockberger 1985): bei hohem Angstanteil hoher Beta-Anteil, bei der gehemmt antriebsarmen Variante langsame Alpha- und Theta-Aktivität.

Freude: ein gut ausgeprägter Alpha-Grundrhythmus ist ein Begleitphänomen äußerst positiv getönter Gefühlsphänomene (vgl. Watson und Herden 1980).

Interessanterweise fand Becker (1972) zwar in seinen Hirnstromanalysen affektiver Verläufe bei Gesunden Korrelationen zwischen Affekten und EEG-Variablen, insbesondere bei Berücksichtigung der Ausgangslage des individuellen EEG-Befundes. Die Änderungen der EEG-Parameter über die Zeit waren aber viel stärker als die Affekt-Effekte, was in Einklang mit den oben referierten Vigilanzänderungen über die Zeit beim Ruhe-EEG steht.

3.1.3. Quantitative Bewusstseinsstörungen: Benommenheit, Somnolenz, Sopor, Koma, Apallisches Syndrom

Subhemisphärielle Funktionsstörungen können von generalisierter Verlangsamung, bilateraler Synchronisierung, intermittierenden Mustern, schlafähnlichen Mustern und veränderten Reaktionen auf Außenreize begleitet sein. Die Verlangsamung ist jedoch nicht obligat, sondern es kann auch zu Beschleunigungen des EEGs kommen. Diffuse, disseminierte oder multifokale Störungen bzw. Erkranken des Gehirns führen oft zu einer generalisierten und kontinuierlichen Verlangsamung. Hier gibt der EEG-Befund zwar Hinweise auf den Schweregrad der Hirnstörung, jedoch nicht auf die Ursache.

Auf kinder- und jugendpsychiatrischem Fachgebiet dürften wir es bezüglich quantitativer Bewusstseinsstörungen am häufigsten mit den Folgen von Drogen-, Alkohol- und Medikamenteneinfluss zu tun haben (siehe unten). Eine Übersicht bezüglich vorherrschend neurologisch geprägter quantitativer Bewusstseinsstörungen bietet Zschocke (1995).

3.1.4. Substanzbedingte EEG-Veränderungen

Substanzen können sich sehr unterschiedlich auf den psychischen Befund auswirken. Ob die im EEG beobachtbaren Veränderungen direkt durch die Substanz erzeugt werden oder aber indirekt durch die Veränderung des psychischen Befundes oder gar durch beides, ist in der klinischen Praxis oft unklar. Zudem lassen sich Ergebnisse aus Studien mit gesunden Probanden nicht ohne weiteres auf Patienten übertragen. Substanzbedingte Veränderungen im EEG hängen vom psychischen Ausgangsbefund, vom EEG-Ausgangsbefund und von der Disposition zu bestimmten Veränderungsmustern durch Einnahme bestimmter Substanzen (z. B. Psychose unter Einnahme von Drogen oder Auftreten von spike-wave unter Neuroleptika) ab. Die referierten Beziehungen sind zwar häufiger beobachtet worden und können daher zur Hypothesengenerierung oder –unterstützung dienen, sind aber keineswegs obligat und daher nicht beweisend.

3.1.4.1. Alkohol

Alkoholgenuss führt dosisabhängig zu Vigilanzminderung mit den damit verbundenen typischen EEG-Veränderungen: bei 0,3 bis 0,5 Promille kommt es zu verstärkter Synchronisation im Sinne einer Dynamischen Rigidität (s. u.), bei 0,5 bis 1 Promille zu einer Verlangsamung der Grundaktivität und im Vollrausch zu einer diffusen Dysrhythmie (Orlob 1999).

Bei etwa einem Drittel der Alkoholkranken ist ein Niederspannungs-EEG mit spärlicher Alpha-Einstreuung zu beobachten, das im Allgemeinen im Sinne einer konstitutionsgebundenen Anomalie (trait) interpretiert wird.

In der Entgiftungsphase ist jedoch häufig eine Zunahme der Alpha-Aktivität, insbesondere posterior, zu beobachten (state). Ulrich (1999) sah bereits nach sieben Tagen einer Alkoholabstinenz eine deutliche Alpha-Zunahme bei quantitativer Auswertung, die jedoch visuell nicht nachvollziehbar war.

3.1.4.2. Medikamente

Unter zahlreichen Psychopharmaka (z. B. Neuroleptika, Benzodiazepine, Barbiturate, etc.) und Antikonvulsiva kann es zu Verlangsamung und/oder Minderausprägung der Alphaaktivität kommen (Abb. 1a und 1b).


Abb. 1a

Abb 1b

Unter Carbamazepin kommt es zu einer Alpha-Abnahme und Theta-Zunahme (Wu und Xiao 1996). Frost et al. (1995) fanden unter Carbamazepin eine durchschnittliche Verlangsamung um 0,5 Hz. Eine darüberhinaus gehende Verlangsamung zeigte einen Zusammenhang mit ungünstiger kognitiver Entwicklung.

Einige Antidepressiva zeigen im EEG ein ’thymoleptisches’ (Imipramin- oder Amitryptilin-ähnliches) Profil mit einer Abnahme der Alpha-Ausprägung als Ausdruck einer sedativen Wirkung (Saletu et al. 1983).

3.1.5. Hyperkinetisches Syndrom bzw. Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

Kinder mit HKS bzw. ADS haben häufig im Vergleich zu Kontrollgruppen mehr Delta- und Theta-, aber weniger Alpha- und Beta-Aktivität, wobei dieser Befund bei reinen Aufmerksamkeitsstörungen oft weniger ausgeprägt ist (Matsuura et al. 1993, Clarke et al. 1998). Sicher ist dieser Befund nicht für Aufmerksamkeitsstörungen spezifisch, möglicherweise aber doch bedeutungsvoller, als bisher angenommen: so fanden Matsuura et al. (1993) in Japan, China und Korea nur bei Kindern mit HKS im Vergleich zur Normstichprobe die genannten Abweichungen im EEG, nicht jedoch bei anderen psychischen Störungen des Kindesalters. Rothenberger und Woerner (1986) fanden den niedrigsten Alpha/Theta-Quotienten bei expansiven Störungen, d. h. Störungen des Sozialverhaltens und HKS.

Unter Methylphenidat lässt sich bei Kindern mit HKS bzw. ADS oft eine Abnahme langsamer Wellen und eine verbesserte Ausprägung des Alpha-Grundrhytmus’ beobachten (Abb. 2a und 2b). Lindsley und Henry haben 1941 unter Amphetamin eine Zunahme der Alpha-Aktivität beschrieben, die unter Methylphenidat-Therapie ebenfalls gesehen wurde (Craggs et al. 1980). Shetty (1971) fand nur bei Therapierespondern eine deutlich Alpha-Zunahme unter Dextroamphetamin und Methylphenidat. Die Zunahme an Alpha-Aktivität bei geöffneten Augen kann erklärt werden durch eine Methylphenidat-induzierte Vigilanzabnahme, da bei geminderter Vigilanz eine verminderte Alpha-Blockade durch Augenöffnen zu beobachten ist. Andererseits wird bei längerfristigem Augenöffnen ebenfalls ein Nachlassen der Alpha-Blockierung beobachtet, sodass auch dieses Modell nicht völlig zutrifft wie das Modell idealtypischer Annäherung von Alpha-Aktivität bei geschlossenen Augen. Eigentlich müsste ja bei geöffneten Augen die Alpha-Aktivität blockiert werden in idealtypischer Hinsicht.

Abb. 2a

Abb. 2b

Satterfield et al. (1972) sahen bei Therapierespondern keine Intensitätszunahme, Martinius (1977) fand unter Methylphenidat eine Abnahme im Alpha-Bereich. Dies muss nicht verwundern, da nicht von einer einheitlich EEG-Ausgangslage vor Medikation ausgegangen werden kann: Chabot und Serfontein (1996) fanden unterschiedliche neurophysiologische Subtypen bei Kindern mit HKS. Rosenthal und Allen (1978) berichten in Ihrer Übersicht sowohl über elektrophysiologische Hinweise auf eine verringerte Vigilanz bei HKS als auch über Hinweise auf eine erhöhte Vigilanz. Auch scheinen die elektrophysiologischen Hinweise auf Vigilanzabweichungen stark altersabhängig zu sein. Loo et al. (1999) fanden bei Respondern frontal eine Reduktion von Alpha- und Theta-Wellen sowie eine Zunahme von Beta-Aktivität, bei Nonrespondern ein gegenteiliges Muster. Slattum et al. (1996) untersuchten EEG-Veränderungen bei gesunden Probanden unter Gabe von Dextroamphetaminen. Nur die Probanden, die vor der Gabe einen Alpha-Index > 35% hatten, zeigten eine konsistente Alpha-Zunahme unter 5, 10 und 20 mg.

Suffin und Emory (1995) fanden in einer retrospektiven Studie zu Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen und affektiven Störungen, dass der Behandlungserfolg in Abhängigkeit von der Art des Psychopharmakons (Stimulanz, Antidepressivum und Antikonvulsivum) nicht mit der klinischen Diagnose, sondern mit dem EEG-Typ korreliert: während Patienten mit vermehrter frontaler Alpha-Tätigkeit in 87% positiv auf Antidepressiva reagierten, kam es bei Patienten mit frontal vermehrter Theta-Tätigkeit in 100% zu Verbesserungen unter Stimulanzien.

3.1.6. Manische und schizophrene Psychosen

Ein Bild mit gesteigerter Variabilität elektroenzephalographischer Musterdynamik einschließlich Spannungsabnahme, Desynchronisation und Beta-Zunahme, dann Beta-Abnahme und Zunahme langsamer Wellen (‚Dynamische Labilität’) entsprechend Vigilanz-Stadium B (s. o.) ist vor allem bei Jugendlichen mit Manien und schizophrenen (insbesondere paranoid-halluzinatorischen) Psychosen (Abb. 3) zu finden. Der klinischen Erfahrung nach handelt es sich bei der Dynamischen Labilität bei Menschen mit Schizophrenie um ein recht verlaufsstabiles, auch im psychosefreien Intervall nachweisbares, über Jahre hinweg unverändert zu beobachtendes Merkmal.

Abb. 3

Nach Ulrich (1994) zeigen hebephrene und chronisch verlaufende Psychosen jedoch eher ein EEG mit kontinuierlicher, monomorpher, leicht anteriorisierter und eher langsam wirkender Grundaktivität, die in Richtung Dynamische Rigidität (s. u.) weist und eine vergleichsweise schlechte Neuroleptikawirkung erwarten lässt. Bei diskontinuierlicher Grundaktivität mit Vorherrschen spannungsarmer subvigiler B1-Phasen entsprechend einer Dynamischen Labilität hingegen wirken Neuroleptika eher günstig. Ulrich et al. (1988) konnten in einer Studie an akut schizophrenen Patienten das Bestehen einer Beziehung zwischen Vigilanzdynamik und der therapeutischen Ansprechbarkeit auf Neuroleptika mit quantitativer Methodik bestätigen und näher spezifizieren.

3.2. Diffuse Auffälligkeiten im Alpha-Band: auffällig stark
ausgeprägte Alpha-Aktivität

3.2.1. Emotionen

Wie bereits oben erwähnt, nimmt Alpha unter Intention, positiver Erwartungsspannung, Freude, Zufriedenheit, Aggression, Kraft und Wut zu (Machleidt 1982, Watson und Herden 1980)

3.2.2. Quantitative Bewusstseinsstörungen: Alpha-Koma

Im Koma kann eine persistierende posterior betonte 8-10/s-Pseudo-Alpha-Aktivität auftreten. Sie kann sich auch nach einem ursprünglich langsamen pathologischen EEG entwickeln und ist als prognostisch ungünstig zu werten. Ein alternierendes Auftreten mit einem langsamen pathologischen EEG oder im Übergangsstadium zur elektrozerebralen Inaktivität ist ebenfalls möglich.

3.2.3. Substanzbedingte EEG-Veränderungen

3.2.3.1. Kokain

Kokain-User zeigen auch nach Abstinenz persistierend vermehrt Alpha- und vermindert Delta-Aktivität, vor allem über anterioren Arealen (Roemer et al. 1995, Prichep et al. 1996, Alper et al. 1998). Prichep et al. (1995) fanden bei Schulkindern, die in utero Kokain exponiert waren, dasselbe EEG-Muster.

3.2.3.2. Morphine

Unter Morphinen kommt es (zumindest bei Polytoxikomanen) zu vermehrter Alpha- und Theta-Tätigkeit, jedoch verminderter Delta-Aktivität (Phillips et al. 1994).

3.2.3.3. Medikamenteneffekte

Einige Antidepressiva zeigen im EEG ein ’thymeretisches’ (Desipramin-ähnliches) Profil mit einer Zunahme der Alpha-Ausprägung (Saletu et al. 1983).

3.2.4. Affektive Störungen

Hinsichtlich der Morphodynamik können bei Jugendlichen zum Teil ähnliche Beobachtungen gemacht werden, wie sie für Erwachsene beschrieben werden (Übersicht bei Ulrich 1994): bei affektiven Störungen vom episodischen depressiven Typ herrscht oft eher ein kontinuierlicher, gut ausgeprägter, eher monoton anmutender Alpha-Grundrhythmus mit Tendenz zur Ausbreitung auf die vorderen Regionen (Abb. 4) und verminderter Variabilität der Amplituden vor (‚Dynamische Rigidität’, entsprechend Vigilanzstadium A2-A3). Für jüngere Kinder findet man diese Beziehung seltener, jedoch haben sie häufig einen depressiv erkrankten Elternteil, so dass von einem genetisch bedingten EEG-Merkmal ausgegangen werden kann.

Abb. 4

3.2.5. Schizophrene Psychosen

Nach Ulrich (1994) finden man auch bei hebephrenen und chronischen Psychosen ein der Dynamischen Rigidität ähnelndes Muster (s. o.).

3.2.6. Intellektuelle Fähigkeiten

Studienergebnisse zur Korrelation von Frequenz des Grundrhythmus’ und intellektuellen Fähigkeiten sind insgesamt widersprüchlich (Rothenberger und Meyer-Dietrich 1984), mehrere Autoren fanden jedoch gruppenstatistisch eine positive Korrelation (Netchine und Lairy 1960, Fischer et al. 1982, Vogel et al. 1982, Gasser et al. 1983a). Daraus lässt sich jedoch nicht im Einzelfall eine Aussage über die kognitiven Fähigkeiten des Probanden machen, da der Grundrhythmus noch durch zahlreiche andere Parameter beeinflusst wird. Nach Ansicht von Zschocke (1995, S. 45–46) sind Korrelationen zwischen Alpha-Grundrhythmus und intellektueller Leistungsfähigkeit schon deswegen fragwürdig, weil man dabei persönliche Merkmale ausgerechnet mit jenen EEG-Parametern verknüpft, die unter Bedingungen einer Ruheableitung, also bei bestmöglicher Ausschaltung mentaler Aktivität, registriert werden".

Gasser et al. (1983b) fanden bei Kindern mit leichter geistiger Behinderung eine geringere topografische Differenzierung sowohl hinsichtlich anterior/posterior als auch linke Hemisphäre/rechte Hemisphäre im Vergleich zu Kindern mit durchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten.

Bei Kleinkindern ist manchmal ein hinsichtlich des Alters ‚zu gut’ ausgeprägter (‚supernormaler’) Alpha-Grundrhythmus zu beobachten. Ein Teil dieser Kinder hat Verhaltensprobleme und eine niedrige Intelligenz (Niedermeyer und Lopes da Silva 1998).

3.3. Lokale Alpha-Auffälligkeiten

Mit Ausnahme der ILPAD (s. u.) sind die meisten referierten lokalen Auffälligkeiten der Alpha-Aktivität in der visuellen Auswertung kaum erkennbar, bedürfen also einer quantitativen Auswertung.

3.3.1. Emotionen, Coping-Strategien, Persönlichkeitsmerkmale

Ärger führt offenbar zur erhöhter Aktivierung (d. h. Alpha-Blockierung) der linken anterioren Hemisphäre (Harmon-Jones und Allen 1998). Ramirez Perez et al. (1989) untersuchten jüngere erwachsene Normalpersonen hinsichtlich Persönlichkeitsmerkmalen und fanden einen signifikanten Unterschied in der Alpha-Power über frontalen Arealen: extrovertierte Menschen haben eine höhere Power rechts und introvertierte links.

Davidson und Fox (1989) untersuchten normal entwickelte 10 Monate alte Kinder bezüglich ihrer Reaktion auf eine kurze Trennung von ihren Müttern: die Kinder, die weinten, zeigten eine größere rechtsfrontale cortikale Aktivierung im zuvor abgeleiteten EEG.

3.3.2. Störungen bei multiplem Substanzgebrauch

Roemer et al. (1995) fanden im Vergleich zu Normalpersonen bei Kokain-bevorzugenden Politoxikomanen eine asymmetrische frontale Aktivität mit erhöhter Delta-, Theta- und Alpha-Aktivität rechts gegenüber links.

3.3.3. Affektive Störungen

Die bei weiblichen erwachsenen Depressiven in mehreren Studien gefundene präfrontale und anteriortemporale Asymmetrie der Alpha-Power im quantitativen EEG mit einer verminderten Alpha-Aktivität über der rechten Hemisphäre (Davidson 1998) ist auch bei depressiv-ängstlichen Kindern im Schulalter gruppenstatistisch beobachtbar (Spitczok von Brisinski et al. 1997). Dieser Befund ist offenbar jedoch alters- und geschlechtsabhängig (Kline et al. 1998, Baving et al. 1998, 2000). Eine einmalige Messung enthält offensichtlich sowohl state- als auch trait-Anteile (Tomarken et al. 1994a). Posterior ist z. T. das umgekehrte, also gekreuzte Alpha-Asymmetrie-Muster bei erwachsenen depressiven Frauen zu beobachten, auch nach Rückbildung der Depression, d. h. als Trait-Marker (Davidson 1998).

3.3.4. Angststörungen

3.3.4.1. Panikstörung

Wiedemann et al. (1999) fanden bei Patienten mit Panikattacken ohne depressive Störung eine depressiven Störungen entsprechende frontale Asymmetrie, also links frontal mehr Alpha als rechts.

3.3.4.2. Angst und depressive Störung gemischt

Bruder et al. (1997) untersuchten depressive Erwachsene hinsichtlich einer Angsterkrankung. Die nichtängstlichen depressiven Patienten zeigten eine posteriore Asymmetrie mit einer geringeren Aktivierung rechts als links, während die ängstlich-depressiven Patienten eine größere Aktivierung rechts anterior und posterior zeigten.

3.3.5. Suizidalität

Graae et al. (1996) fanden bei weiblichen Jugendlichen nach Suizidversuch im Vergleich zu einer Kontrollgruppe normaler Probanden sowohl anterior als auch posterior Abweichungen der Alpha-Aktivität: während die normalen Jugendlichen über der rechten Hemisphäre mehr Alpha hatten als über der linken, hatten die suizidalen Jugendlichen eine nichtsignifikante Asymmetrie in der umgekehrten Richtung, vor allem nichtdepressive Suizidale posterior. Die posteriore Alpha-Asymmetrie korrelierte mit dem Ausprägungsgrad der Suizidalität, aber nicht mit der Schwere der Depression. Die Alpha-Asymmetrie der suizidalen weiblichen Jugendlichen ähnelte der bei erwachsenen depressiven Frauen, wich jedoch in der räumlichen Verteilung ab, so dass die Autoren die Hypothese aufstellten, dass verringerte links posteriore Aktivierung bzw. vermehrte Alpha-Tätigkeit nicht mit Depression, sondern suizidalem oder aggressivem Verhalten in Beziehung steht.

3.3.6. Verbale Fähigkeiten

Rothenberger und Moll (1994) beschrieben intermittierende links parietale Alpha-Desynchronisation (ILPAD) als ein spontan auftretendes Muster im Routine-EEG, das relativ spezifisch für Kinder mit Teilleistungsstörungen in den Bereichen Sprechen, Sprache, Lesen und Buchstabieren zu sein scheint (Abb. 5).

Abb. 5

 

4. Beta-Aktivität

Die Zunahme von Beta-Aktivität im Rahmen von geistiger Anspannung, Vigilanzminderung, ängstlicher Anspannung sowie erhöhte Beta-Aktivität als Normvariante bzw. genetisches Merkmal wurde bereits weiter oben diskutiert. Im Zusammenhang mit quantitativen Bewusstseinsstörungen muss bei vermehrter Beta-Aktivität im EEG differentialdiagnostisch an medikamentös bedingte Beta-Wellen gedacht werden, insbesondere an Benzodiazepine (Abb. 6a und 6b).

Abb. 6a

Abb. 6b

 

5. Theta- und Delta-Aktivität

Dass Theta-Aktivität bei Angst zunimmt und bei Freude, Zufriedenheit sowie Trauer abnimmt, wurde bereits weiter oben erwähnt. Differentialdiagnostisch kommen quantitative Bewusstseinsstörungen und medikamentös bedingte Ein- und Unterlagerungen von Theta- und Delta-Wellen in Betracht.

5.1. Aggressivität

Intermittierend links oder bilateral anterior betonte rhythmisierte Theta- oder Delta-Gruppen (ILA/IBA) fand Hill (1952) bei inhaftierten Gewalttätern doppelt so häufig wie in Vergleichsgruppen. Da dieses Phänomen physiologischerweise zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr zu beobachten ist (Mundy-Castle 1951) und häufig bis ins frühe Erwachsenenalter persistiert, sah Hill darin ein Immaturitätszeichen. Dieser Auffassung hat sich auch Liberson (1958) angeschlossen, und auch Williams (1969) fand das Phänomen bei habituell Gewalttätigen deutlich überrepräsentiert.

Fallbeispiel: Ein 17jähriger Jugendlicher (A.T.) und ein 21jähriger Heranwachsender (U. S.) wurden im Rahmen eines strafrechtlichen Verfahrens begutachtet zur Fragestellung, ob sie für die von ihnen begangenen zahlreichen Diebstähle voll zur Verantwortung zu ziehen sind. Während A. T. weder anamnestisch noch im Rahmen der jugendpsychiatrischen Untersuchung aggressives Verhalten zeigte, sondern eher wie 'ein lieber Junge' (introvertiert, zurückgezogen, nicht aggressiv) wirkte, war von R. S. Gewalttätigkeit bekannt. So hatte er auf jemand anderen mit einer Fahrradkette eingeschlagen und wirkte in der Untersuchung aggressiv gespannt. Testpsychologisch ergab sich für beide eine intellektuelle Gesamtbefähigung im Bereich der geistigen Behinderung (IQ<44 bzw. 57). Beide zeigten sich im Handlungsteil etwas leistungsfähiger als im Verbalteil (VT46/HT52 bzw. VT56/HT61, nicht signifikant). Im EEG war bei beiden eine ILPAD zu finden als mögliches Korrelat der etwas schwächeren verbalen Fähigkeiten im Vergleich zu den nonverbalen. Deutliche Unterschiede ergaben sich jedoch hinsichtlich Ängstlichkeit und Aggressivität: Während bei dem eher ängstlich-angepassten A. T. eine eher spannungsarme Alpha-Beta-Mischtätigkeit (Abb. 7) vorherrschte, fand sich bei dem aggressiv gespannten U. S. eine deutlich ausgeprägte IBA (Abb. 8).

Abb. 7

Abb. 8

5.2. Hyperaktivität

Ulrich und Mitarbeiter (Ulrich 1994) fanden bei 5% aller Erwachsenen in stationärer psychiatrischer Behandlung Intermittierend rechts- oder bilateral posterior betonte irreguläre (aber auch rhythmisierte) Theta- und Delta-Wellen (IRP/IBP). Ein Vergleich der AMDP-dokumentierten Psychopathologie ergab eine Anzahl statistischer Ausprägungsunterschiede auf der Ebene der Einzelsymptome, die zusammen genommen für eine Akzentuierung hypermotorisch-expansiver Tendenzen bei den IRP-Trägern sprechen. Es könnte sich meines Erachtens zumindest bei einem Teil der Patienten um Korrelate einer Erwachsenenform des Hyperkinetischen Syndroms gehandelt haben.

5.3. Lese-Rechtschreibstörung

Ulrich (1997) berichtet über eine enge Korrelation zwischen intermittierend links posterior betonter langsamer Aktivität (ILP) und umschriebener Lese-Rechtschreibstörung (p<0.001).

6. Spikes und sharp waves

6.1. generalisiert bzw. nicht näher differenziert

Jung et al. (2000) behandelten Kinder mit Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, die statusartige Entladungen während des Schlafs im EEG aufwiesen (ESES = electrical status epilepticus during slow sleep), mit Sultiam. Mit Sanierung des EEGs fanden sie nicht nur Verbesserungen sprachlicher Fähigkeiten, sondern auch des Verhaltens.

6.1.1. Medikamenten-Effekte

Ob jemand unter Neuroleptika-Einfluss PP entwickelt, ist wahrscheinlich nicht nur von der Art und der Dosis des Neuroleptikums abhängig, sondern offenbar auch von individuell disponierenden Faktoren (Neil et al. 1978).

6.1.2. Schizophrene Psychosen

Bei katatonen Bildern fand Ulrich (1994) IBA bzw. PP überpräsentiert. Bei Patienten mit IBA und PP wirken Neuroleptika offenbar eher günstig.

6.1.3. Suizidalität

Paroxysmalen Potentialen (PP) wird von Ulrich (1994) eine Impulskontrollstörung zugeordnet. In Stichproben diagnostisch unausgelesener stationärer psychiatrischer Patienten fand Struve (1983) bei solchen mit PP im Ruhe-EEG eine deutlich höhere anamnestische Rate von Suizidhandlungen als bei solchen ohne PP. Die Suizidhandlungen der Phänomenträger waren, anders als die der Nicht-Phänomenträger, weit überwiegend impulsiv-reaktiver Natur. Auch Ulrich (1994) fand bei Patienten mit PP überzufällig häufiger anamnestische Angaben über Suizidversuche als bei Patienten ohne PP. Davies et al. (1975) fand bei Schizophrenen mit PP im Vergleich mit Schizophrenen ohne PP vermehrt verschiedene Manifestationsweisen gestörter Impulskontrolle einschließlich impulsiver Suizidhandlungen. Die Gruppenunterschiede waren für das unter Neuroleptika-Einfluss abgeleitete EEG wesentlich deutlicher als für das prämedikamentöse EEG.

6.1.4. Iktale Bewusstseinseinschränkungen

Generaliserte spike waves mit einer Dauer von mehreren Sekunden gehen in der Regel mit iktaler und z. T. mit postiktaler transienter kognitiver Beeinträchtigung einher (Spitczok von Brisinski 1999).

6.2. Fokale spike wave bzw. Rolando-Fokus

Eine Übersicht findet sich bei Spitczok von Brisinski (1999). Cavazzuti et al. (1980) fanden unter 27 Kindern ohne Anfälle 15 mit emotionalen Störungen und 2 mit Hyperaktivität, die Störungen hielten nach Rückbildung des Fokus' an. Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen fanden van der Meij et al. (1993) bei 7 von 10 Kindern mit Rolandischen spikes ohne Anfälle. De Weerd und Arts (1993) fanden unter 10 Patienten ohne Anfälle bei 2 Attention Deficit Disorder und bei 2 Pavor nocturnus. Pietsch et al. (1996) berichteten über 20 Patienten mit Rolando Fokus ohne Anfälle, die sich nicht von 20 Patienten mit Anfällen unterschieden. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zeigten die insgesamt 40 Patienten mit Rolando Fokus etwas höhere T-Werte in der Child Behavior Checklist, wobei soziale Probleme, delinquentes Verhalten und schizoid-zwanghaftes Verhalten im Vordergrund standen. Die Lokalisation hatte keinen Einfluss auf die Symptomatik.

6.2.1. Internalisierende und externalisierende Störungen

In einer eigenen Untersuchung (Spitczok von Brisinski et al. 1997b) fanden wir unter 3864 EEG's unserer kinder- und jugendpsychiatrischen Inanspruchnahmepopulation bei 35 Patienten einen Rolando-Fokus ohne cerebrale Anfälle, davon bei 14 rechtsseitig, 11 linksseitig und 10 bilateral. Bei den rechtsseitigen Foki wurden eher emotionale Störungen beobachtet, bei den linksseitigen hyperkinetische Störungen und bei den bilateralen Foki kombinierte Störungen des Sozialverhaltens und der Emotionen.

6.2.2. Iktale Bewusstseinseinschränkungen

Etwa 10% aller Kinder und Jugendlichen mit fokalen spike waves haben epileptische Anfälle, z. T. als komplex-partielle Anfälle mit iktaler und ggf. postiktaler transienter kognitiver Beeinträchtigung.

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  • Publiziert als Papierversion unter:
    Spitczok von Brisinski, Ingo (2001): EEG und psychischer Befund. Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2(11), 49-80

Anschrift des Verfassers
Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski,

Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Rheinische Kliniken Viersen, Postfach 12 03 40
41721 Viersen
Tel.: 0 21 62 – 96 50 05
Fax: 0 21 62 – 96 50 38
E-Mail: i.spitczok-von-brisinski@lvr.de